Aus einer Sprichwortsammlung von Sebastian Franck, erschienen 1532
Erklärung: "Trauwohl" bedeutet hier "Guter Glauben", "Treu und Glauben"
Wem ich wohl (=gut) vertraue, dem gebe ich mein Pferd.
— So dachte ich. Doch dann ist er mit meinem Pferd davon geritten und ich habe Pferd und Reiter seitdem nie wieder gesehen. Mist!!! Das habe ich nun von meinem guten Glauben. Wäre ich misstrauisch gewesen, stünde das Pferd noch in meinem Stall.
Eine ähnliche Geschichte ereignete sich in einem Dorf zwei Meilen von Köln entfernt. Ein Fremder kehrte dort beim Wirt [des Dorfgasthauses] ein. Dieser fragte ihn, wohin er wolle. Nach Köln auf den Markt. „Das ist mir lieb“, sagte der Wirth, „denn da will ich auch hin.“ Sie machten also aus, dass sie den nächsten Morgen einander wecken wollten. Als alles schläft, schleicht der Fremde in den Stall, führt die Kuh des Wirts hinaus, bindet sie am Weg an einen Baum, geht wieder ins Wirtshaus zurück und legt sich wieder in sein Bett. Früh treten der Fremde und der Wirt miteinander den Weg nach Köln an. Als sie an den Ort kommen, wo der Dieb die Kuh angebunden hatte, sagt dieser zum Wirt, er solle langsam voraus gehen; er habe im nächsten Dorf eine Schuld einzutreiben und wolle bald wieder bei ihm sein. Vor der Stadt wartet der Wirt auf seinen Reisegefährten, welcher mit der Kuh nachkommt und vorgibt, er habe sie für seine Schuld anstatt einer Zahlung annehmen müssen. Der Wirt sagt, er solle zufrieden sein; es wäre eine gute Kuh und der seinigen so ahnlich, dass er schwören wollte, sie wäre es, wenn er sie nicht erst gestern am späten Abend noch in seinem Stall gesehen hätte. Der Dieb durfte sich nicht auf dem Markt sehen lassen. Er beredete also den Wirt, dass dieser seine eigene Kuh um ein Trinkgeld verkaufte und ihm das erlöste Geld zustellte. Da hieß es also „Trauwohl führt die Kuh aus dem Stall.“ Deswegen aber niemand zu trauen, wäre unmenschlich so wie jedermann zu trauen töricht wäre. Daher „Trau schau wem!“ [ = Sehe dir einen Menschen sehr genau an, bevor du dich entscheidest, ob du ihm vertrauen möchtest! ] Sirach sagt: „Halt's mit jedermann freundlich, vertraue aber unter tausenden kaum einem.“
Aus
Deutsche Sprichwörter mit Erläuterungen
von Johann Christian Siebenkes
Nürnberg 1790
Text und Schreibung adaptiert
von Alexander
Tatoeba 2012
Quellenlink:
http://books.google.de/books?id...page&q&f=false
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Această propoziție este originală și nu este derivată dintr-o traducere.
adăugată de către al_ex_an_der, 6 august 2012
legătură realizată de către al_ex_an_der, 6 august 2012