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Wie sieht es eigentlich aus mit Sätzen in der alten Rechtschreibung? Es gab dazu sicher mal eine Diskussion und eine Einigung, oder?
Also wenn Sätze vorkommen mit "daß", "Fluß", "kennen lernen" usw., sollte man diese der aktuellen Rechtschreibung anpassen?
Ich finde, ja, da mit einer einheitlichen Rechtschreibung das Suchen erleichtert wird. Es wäre nur konsequent, die aktuelle Rechtschreibung zu benutzen und nicht eine veraltete Schreibung. Was meint ihr?
Tja, warum sollte man diese Anpassung nicht vornehmen, möchte ich fragen. (Übrigens haben ältere Texte aus der Zeit vor 1900 oft ohnehin schon eine oder mehrere solcher Anpassungen hinter sich, und im Vergleich denen nehmen sich die Änderungen durch die Rechtschreibreform sehr bescheiden aus.)
Ich kann ja mal versuchsweise einen kleinen Satz über Cöln in der alten Schreibweise eintragen, und dann sehen wir mal wie schnell ihr mir an den Hals springt:) Ich verstehe, daß die Deutschen viel Wert auf Konsequenz legen. Aber ich bin eher eine Oscar Wilde Natur, und der sagte: "Consistency is the last refuge of the unimaginative". Als ich noch 1959 in Deutschland zur Schule ging, da wurde es allgemein akzeptiert, daß alte Leute die Schreibweise beibehielten, die sie in der Schule gelernt hatten. Was jahrelang richtig war, war nicht plötzlich falsch. Diese frühere Flexibilität ist flöten gegangen.
Ish gê dafon aùs, das es in Doychlant aùx hoyt nox zo ist, das im privaten bereysh jeder shrayben darf, vî es îm oder îr gefelt. Filaysht enshayde ish mish, in cukunft apuncu ayne zelbst erfundene shrift cu fervenden; cum bayshpîl dîze hîr, dî dox irgentvî aùx îren aygnen sharm bezict. Varum nish?
Ganc im Wilde-chen zine: "Kensistenci is ze lâst refjuch of ze animêchinêtiv".
Was nun aber Tatoeba anbetrifft, so denke ich, dass eine Beimischung von Sätzen, die historischen Schreibweisen folgen, für die Nutzer und besonders für Nicht-Muttersprachler verwirrend wäre.
Ich halte es für eine gute Lösung, dort wo der Wunsch besteht, von der jetzt gültigen Norm abweichende Schreibungen als Kommentar beizufügen. Es gibt schon Beispiele, wo dies getan wurde.
Das Problem mit der Suche könnte man umgehen, indem man das Doppel-s und das Eszett als gleichwertig erklärt. Das ist ja der augenscheinlichste Unterschied. Daneben bestehen noch einige in der Groß- und Kleinschreibung, aber die wird bei der Suche, soweit ich weiß, ohnehin nicht unterschieden. Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung kann man schon wieder weitgehend nuanciert (nahe an Aussprache und Bedeutung des Wortes) schreiben. „kennenlernen“ ist ein Beispiel dafür. Das ist in der alten Rechtschreibung die alleinige Norm, jetzt, nachdem es eine Zeitlang aus den Rechtschreibwörterbüchern verschwunden war, wieder eine mögliche Variante.
Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich die neue Rechtschreibung scheußlich finde. Ich sähe es gerne, wenn wenigstens die Klassiker davon verschont blieben. Aber Alexander hat recht: die Schreibungen sind schon in der Vergangenheit den damaligen Gegebenheiten angepaßt worden, und wenn man die Originalschreibung anwenden wollte, müßte man bei Schiller zum Beispiel häufig „Thür“ und „Thor“, „dieß“ und dergleichen schreiben. Zur noch größeren Herausforderung würde das Lesen der Lutherbibel aus letzter Hand. Aber diese Konsequenz wäre dann wohl doch übertrieben; denn ein geschriebener Text sollte doch in erster Linie für den Leser sein — so, daß es ihm auch Spaß macht, den Text zu lesen.
Ich verfahre deswegen so, wie schon gesagt wurde: den Beispielsatz selbst notgedrungen anzupassen und das Original als Kommentar hinzuzufügen.
Was nun die neue Rechtschreibung anbetrifft, so denke ich, daß man auch hier beachten sollte, daß diese nicht unabänderlich in Granit gemeißelt ist, sondern sich noch immer im Wandel befindet. Die neueste Anpassung erfolgte gerade 2011. Deswegen denke ich, daß man von den Varianten des Dudens diejenige verwenden sollte, die dem Sprachgefühl am wenigsten zuwiderläuft.
Wenn man übrigens doch einmal einen Satz in historischer Orthographie hinzufügt, gibt es dafür das Etikett „historical orthography“.
Danach wollte ich gerade fragen - auf diese Weise können beide Schreibweisen benutzt werden - die alte wird halt entsprechend "getaggt".
Und die Gleichstellung von ss und ß käme auch eventuellen Sätzen in schweizerischer Orthographie zugute (zu Gute? mich macht die NDR auch manchmal strubbelig) - mindestens einen davon hatten wir schon.